Ärzte wehren sich gegen "Kassentrojaner"

12.10.2011 | Köln
KBV riskiert umfassenden Zugriff auf Praxisdaten

Der Deutsche Hausärzteverband und MEDI Deutschland kritisieren massiv die Bereitschaft der KBV, dem AOK-Bundesverband und den Ersatzkassen direkten Datenzugriff auf Praxiscomputer zu verschaffen. "Die KBV gibt ärztliche Interessen preis, indem sie das umstrittene gevko-Projekt unterstützt. Die KBV-Führung zeigt damit ebenso wie mit ihrem Jubel zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte wie weit sie von der Realität in deutschen Arztpraxen entfernt ist", sagten der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, und Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender von MEDI Deutschland.

"Die geplante bidirektionale IT-Anbindung der Krankenkassen an die Praxiscomputer durch die gevko-Software sehen wir als massiven Angriff auf die Arztpraxen. Die Kassen versuchen nicht nur einen umfassenden Zugriff auf Praxisdaten zu bekommen, sie wollen auch in die Praxen einwirken", erklärte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. "Bisher ist der Zugriff einer Kasse auf den Praxiscomputer ausgeschlossen und zwar sowohl im Kollektivvertrag wie auch in den Selektivverträgen", betonte MEDI-Vorsitzender Dr. Werner Baumgärtner.

Die beiden Vorsitzenden der Ärzteverbände verweisen auf den aktuellen Skandal um die von Computerexperten enttarnte Spionagesoftware der Innenminister. Diese IT-Programme können nicht nur die Kommunikation überwachen, sondern den Computer komplett fernsteuern. "Die gevko-Schnittstelle ist schon jetzt weit mehr als nur eine Datenschnittstelle. Wir werden einen Kassentrojaner nicht dulden."

"gevko soll erstmals die Abrechnungsdaten aller Selektivverträge in Deutschland zusammenfassen und dabei alle relevanten Daten direkt und umfassend in die Datenbanken der Kassen leiten", so Weigeldt. "Der AOK-Bundesverband und die Ersatzkassen versuchen die Ärzte in Deutschland dem gevko-Datenverarbeitungsprogramm auszusetzen. Die Kassen erklären selbst, dass sie eine Dominanz auf dem Markt erreichen wollen, die ausreicht um einen IT-Standard für die Abrechnung von Selektivverträgen durchzusetzen", so Baumgärtner.

"Dies zeigt, wie wichtig die rechtzeitige Entwicklung einer kassenunabhängigen IT-Struktur war", so Weigeldt und Baumgärtner. "Seit Jahren stellen wir mit eigenen IT-Strukturen die erfolgreiche Umsetzung der Selektivverträge in Baden-Württemberg sicher. Wir haben mit erheblichen Investitionen eine moderne IT-Struktur mit einer hohen Organisationsintegration in den Arztpraxen aufgebaut. Deswegen ist die brisante gevko-Schnittstelle überflüssig."

Quelle: Pressemeldung Deutscher Hausärzteverband e.V.

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