Auf den Spuren von Lise Meitner

16.10.2008 | Berlin/Wien
Deutsch-österreichische Initiative für mehr Frauen in der Physik

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und die Österreichische Physikalische Gesellschaft (ÖPG) starten eine Veranstaltungsreihe mit der Zielsetzung, mehr Frauen für die Physik zu begeistern: die "Lise-Meitner-Lectures". Die Reihe wird am Montag in Wien eröffnet. Sie kommt anschließend, am 23. und 24. Oktober 2008, nach Berlin und soll jährlich fortgesetzt werden. Im Mittelpunkt steht dieses Jahr ein öffentlicher Vortrag der US-amerikanischen Nanoforscherin Mildred Dresselhaus.

"Wir müssen das Bild verändern, Technik und Wissenschaft seien zwangsläufig Männerdomänen", betont DPG-Präsident Gerd Litfin. In der Physik liege der Frauenanteil zu Studienbeginn bei 27 Prozent. "Das ist nicht gerade viel", sagt Litfin. "Im weiteren Verlauf der akademischen Ausbildung gibt es dann noch weniger Physikerinnen." Bei den Diplomprüfungen betrage der Frauenanteil 20 Prozent, bei den Promotionen 17 Prozent und unter den Hochschuldozenten in der Physik seien nur drei Prozent Frauen. "Damit sind wir in Deutschland europaweit Schlusslicht. Die DPG sieht es daher als dringende Aufgabe, mehr Frauen für die Physik zu gewinnen."

Aus diesem Grund haben die DPG und die ÖPG eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die nach der Österreicherin Lise Meitner benannt ist. Meitner war eine der bedeutendsten Physikerinnen ihrer Zeit. Nach der Zulassung von Frauen zum Studium in Österreich gehörte sie zu den ersten Studentinnen und war 1906 die zweite Frau, die an der Universität Wien promovierte. Sie arbeitete mehr als 30 Jahre in Berlin und lieferte 1939 die erste physikalisch-theoretische Erklärung der Kernspaltung.

"Mit dieser Veranstaltung geht es uns darum, die Erinnerung an Lise Meitner wach zu halten und ihre Begeisterung für die Physik weiterzutragen. Dazu möchten wir herausragende Physikerinnen unserer Tage mit jungen Wissenschaftlerinnen und auch mit Studentinnen und Schülerinnen ins Gespräch bringen", sagt Barbara Sandow von der Freien Universität Berlin, die das Projekt auf deutscher Seite initiiert hat und leitet. "Frauen sind in der Physik so unterrepräsentiert, dass ihnen oft die weiblichen Vorbilder fehlen. Persönlichkeiten, die ihnen Mut machen, eine Karriere in der Physik anzustreben. Mit den Lise-Meitner-Lectures setzen wir daher auf die Vorbildwirkung erfolgreicher Physikerinnen. Deren Leistung und Lebensweg möchten wir ins öffentliche Bewusstsein rücken."

Die Lise-Meitner-Lectures finden in diesem Jahr erstmals statt. Sie sollen jährlich in Wien und Berlin fortgeführt werden. Im Zentrum der diesjährigen Veranstaltung steht ein öffentlicher Vortrag der US-Amerikanerin Mildred Dresselhaus, Professorin am Massachusetts Institute of Technology und Pionierin der Nanotechnologie. Sie wird über "nano-carbons" sprechen. In diese winzigen Kohlenstoffgebilde setzt die Wissenschaft große Hoffnung, denn sie könnten eines Tages neuartige Computerschaltkreise und Werkstoffe ermöglichen.

Mildred Dresselhaus wird sowohl in Wien als auch in Berlin sprechen. Rund um ihren Vortrag gibt es an beiden Veranstaltungsorten ein eigenes Rahmenprogramm mit weiteren Vorträgen, Diskussionsrunden und einer Ausstellung, die Physikerinnen aus Österreich und Deutschland porträtiert. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Quelle: Pressemeldung Deutsche Physikalische Gesellschaft e.V.

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