Bienensterben durch Pestizide ist ein Alarmsignal - Bundesregierung bleibt tatenlos

11.08.2010 | Berlin
Zu den Warnungen des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und des Deutschen Berufsimkerbundes (DBIB) vor weiterem Bienensterben erklärt Ulrike Höfken, Sprecherin für Ernährungspolitik und Agrogentechnik:

Die von BUND und DBIB vorgestellten Daten zeichnen ein erschreckendes Bild: Trotz Verlust von bis zu 300.000 Bienenvölkern im vergangenen Winter und trotz des Bienensterbens am Oberrhein durch das Insektizid Clothianidin 2008 sind die sogenannten Neonicotinoide weiterhin in der Landwirtschaft zugelassen. Dabei sind diese Insektizide z. T. über tausendmal giftiger als andere Wirkstoffe wie z. B. DDT, sind als "systemische" Insektizide in allen Pflanzenteilen wirksam und können durch ihre Wasserlöslichkeit weit verbreitet werden.

Die Biene ist ein entscheidender Indikator für die durch Pestizide verursachten ökologischen Schäden. Es ist davon auszugehen, dass neben den gut dokumentierten Bienenvölkern zahllose andere Organismen durch die Neonicotinoid-Nervengifte geschädigt werden. Auch die Langzeitfolgen von Neonicotinoiden in geringer ("sub-letaler") Dosis sind bisher nicht untersucht.

Die Bundesregierung schaut tatenlos zu. Sie hält an ihrer "weiter so"-Strategie fest und hat 2010 sogar Clothianidin wieder zugelassen, obwohl unabhängige Studien die Bienengefährlichkeit bestätigen.

Ministerin Aigner und das dem BMELV unterstellte Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) treffen Zulassungsentscheidungen für Pestizide auf der Basis von Untersuchungen der Pestizidhersteller, unabhängige Risikoforschung gibt es kaum. Dabei zeigen z. B. die Untersuchungen von Prof. Giles Séralini von der Universität in Nantes (Frankreich) zum Totalherbizid "Roundup", dass Hersteller-Studien häufig wissenschaftlichen Standards nicht genügen und Risiken nicht seriös darstellen.

Wir fordern, die Zulassung von Pestiziden von wirklich unabhängigen Risikoprüfungen abhängig zu machen, die auch langfristige Folgen für Bienen und andere Tiere untersuchen. Die Bundesregierung muss ein neues Pestizidreduktionsprogramm starten, um die massive Umweltbelastung durch Pestizide weiter zu senken. Perspektivisch kann nur die Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft und des ökologischen Landbaus - im Rahmen der Agrar-Reform - Bienen und anderen gefährdeten Arten eine Überlebensperspektive geben.

Quelle: Pressemeldung Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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