Demographischen Wandel gestalten - Kommunen und Sparkassen diskutieren Wege aus drohender Krise

22.03.2007 | Hannover/Braunschweig
Niedersachsen wird in den nächsten Jahren die Auswirkungen des demographischen Wandels massiv zu spüren bekommen. Jenseits von Katastrophenszenarien bieten sich jedoch auch Chancen, diesen Prozess aktiv zu gestalten und seine Folgen abzumildern. Dieses Fazit zogen rund 150 Vertreter von Kommunen und Sparkassen auf dem Regionaltag Niedersachsen der NORD/LB am Mittwoch auf der CeBIT in Hannover.

Allerdings wurde auf der Tagung auch deutlich, dass die Zeit zum Handeln längst gekommen ist. Der demographische Wandel ist ein Prozess, der alle gesellschaftlichen Bereiche erfassen wird. "Das reicht vom Freizeitverhalten über die Konsumgewohnheiten bis zu den politischen Präferenzen", führte Christoph Schulz, Vorstandsmitglied der NORD/LB in seinem Einleitungsreferat aus. Ursache sei eine zu niedrige Geburtenrate, obwohl der Kinderwunsch in Deutschland ähnlich stark ausgeprägt sei wie in anderen Ländern. Schulz forderte daher mehr Engagement in der Familien- und Bildungspolitik: "Wir brauchen eine bessere Kinderbetreuung und eine kinderfreundlichere Gesellschaft." Auch die Zuwanderung müsse aktiv gestaltet werden, um mehr qualifizierte als ungelernte Arbeitskräfte nach Deutschland zu holen.

Als Hauptproblem wurde bei der Tagung jedoch nicht einmal der Bevölkerungsrückgang insgesamt, sondern die damit zusammenhängende Veränderung der Alterstruktur in der Bevölkerung benannt. Für Niedersachsen prognostizierte Hendrik Nee vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung einen Rückgang der Einwohnerzahlen um 300.000 bis zum Jahr 2025. Die stärksten Einbußen seien dabei in den Altersgruppen der unter 18 jährigen und der 30-45 jährigen mit jeweils rund 24 Prozent minus zu verzeichnen. Diese Entwicklung falle insbesondere deshalb schwer ins Gewicht, weil damit gleichzeitig auch der Anteil der qualifizierten Erwerbsfähigen sinke, erläuterte Dr. Arno Brandt, Leiter der NORD/LB Regionalwirtschaft. Demgegenüber sei bis zum Jahr 2015 mit einem Anstieg der Arbeitskräfte ohne Berufsabschluss zu rechnen.

Angesichts eines steigenden Bedarfs an qualifizierten und hochqualifizierten Arbeitskräften drohe Niedersachsen hier in den nächsten Jahren ein prekäres Defizit auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb komme es entscheidend darauf an, so Brandt, Zuwanderung aus dem In- und Ausland zu initiieren, Bildungsreserven auszuschöpfen, indem verstärkte Anstrengungen in den Bereichen Qualifikation und Bildung vorgenommen werden und nicht zuletzt älteren Arbeitnehmern sowie Frauen mit Kindern den Zugang zur Erwerbstätigkeit zu erleichtern.

Für die Kommunen bedeutet der demographische Wandel nicht zuletzt einen verschärften Standortwettbewerb. Die enge Beziehung von Wirtschaft und Demographie wurde von mehreren Rednern betont. Mehr Bevölkerung führe zu mehr Nachfrage, dies stärke die Wirtschaft und mache den Standort wiederum attraktiver für Unternehmen und Arbeitskräfte. Im umgekehrten Fall drohe eine Abwärtsspirale, die nur noch schwer aufzuhalten sei. Über ganz Niedersachsen betrachtet verläuft dieser Prozess allerdings sehr uneinheitlich. Während der Westen um Cloppenburg und Vechta eine positive Bevölkerungsentwicklung aufweist, werden vor allem aus Südniedersachsen und dem Wendland schon heute Rückgänge vermeldet.

Chancen liegen für die Kommunen in gezieltem Standortmarketing, in zeitnahen Lösungen, die etwa im Wohnungsbau das Bedürfnis einer alternden Bevölkerung berücksichtigen, und in alternativen Finanzierungsmodellen für kommunale Infrastrukturmaßnahmen wie Public-Private-Partnerships (PPP).

Gerade in der Finanzierung von PPP-Projekten sieht die NORD/LB ein bedeutendes Zukunftsgeschäftsfeld. Bereits heute ist die Bank als international renommierter Spezialist für Projektfinanzierungen an einer Vielzahl von PPP-Finanzierungen in Deutschland und weltweit beteiligt.

Quelle: Pressemeldung NORD/LB Norddeutsche Landesbank Girozentrale

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