Dr. Thomas: "Der belegärztlichen Patientenversorgung droht der Kollaps!"

14.03.2005 | Berlin
Vor dem Hintergrund, dass es den Spitzenverbänden von KBV und Krankenkassen bislang nicht gelungen ist, mit dem zum 01. April 2005 in Kraft tretenden neuen EBM 2000plus wirtschaftlich ausreichende Vergütungsregelungen für die belegärztliche Tätigkeit zu entwickeln, hat Dr. med. Hans-Jürgen Thomas, Vorsitzender des Hartmannbundes, "dringlich" an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt appelliert, sich dieser Problematik anzunehmen.

In einem Schreiben an die Ministerin weist der Hartmannbund-Vorsitzende darauf hin, dass der neue EBM 2000plus für stationär erbrachte belegärztliche Operationsleistungen eine pauschale Kürzung in Höhe von 50 Prozent gegenüber dem bisher geltenden EBM vorsehe; darüber hinaus würden postoperative Leistungen bei belegärztlichen Behandlungsfällen um 65 Prozent in der Honorierung gekürzt: "Unter diesen Rahmenbedingungen ist eine wirtschaftliche Erhaltung des Belegarztsystems in Deutschland nicht möglich. Viele der Belegärzte werden ihre stationäre Leistungserbringung einstellen müssen, so dass mit erheblichen Verwerfungen in der Patientenversorgung vor allem im ländlichen Bereich zu rechnen ist." Die unzureichende Vergütung belegärztlicher Leistungen führe zu einer existentiellen Bedrohung der über 200 reinen Belegkrankenhäuser in Deutschland. Die daraus zwangsläufig resultierenden Versorgungslücken für die Patienten müssten abgefangen werden durch Umwidmungen der bisherigen Belegabteilungen in Krankenhausabteilungen, was nach Berechnungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft zu einer Kostenexplosion in "exorbitanter Höhe" führen würde.

Zwar habe man bei den Vertragspartnern mittlerweile eingesehen, dass die Vergütung belegärztlicher Leistungen in der bestehenden Fassung EBM 2000plus einer Nachbesserung bedürfen und "für die letzten drei Quartale des Jahres 2005 eine notdürftige Übergangslösung erarbeitet, die allerdings völlig unzureichend ist", moniert Dr. Thomas. Eine Neuregelung der Vergütungen belegärztlicher Leistungen sei frühestens für die Zeit ab 2006 zu erwarten: "Dies allerdings ist aller Voraussicht nach zu spät. Denn in der Zwischenzeit wird ein Großteil der Belegabteilungen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können."

Seinen Appell an die Ministerin, sich in die Problematik einzubinden und auf die Verhandlungsparteien einzuwirken, um zumindest den Status quo wieder herzustellen, untermauert Dr. Thomas mit dem Hinweis, "dass nicht umsonst das Belegarztsystem als weiter zu entwickelnder Ausgangspunkt für das von der Gesundheitspolitik gewollte und forcierte Netzwerk der Integrierten Versorgung gesehen wird."

Quelle: Pressemeldung Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.

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