Europa als Festung schadet sich selbst
Die Europäer werden sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie sich weiterhin gegen Afrika wie eine Festung abgrenzen. Davor hat Dr. Fidon Mwombeki auf der Politikertagung der Evangelischen Kirche von Westfalen gewarnt. Der Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) sagte in Haus Villigst in Schwerte: "Europa will die Ressourcen Afrikas, aber nicht die Afrikaner." Er übte scharfe Kritik daran, dass die afrikanischen Staaten durch europäischen Druck gezwungen seien, ihre Wirtschaft zu liberalisieren, "damit Europa aus Afrika herausholen kann, was herauszuholen ist."
Die europäische Abschottung sowohl gegen Flüchtlinge auf Booten als auch durch wirtschaftspolitische Mittel verurteilte Mwombeki nicht nur aus ethischen Gründen. Der aus Tansania stammende Theologe hält sie auch aus Sicht der Europäer für unklug. Selbst noch so scharf kontrollierte Grenzen würden zwar einige Flüchtlinge, aber längst nicht alle aufhalten können. Es sei außerdem teuer, Grenzen aufwändig zu bewachen und Schiffe vor Piraten zu schützen.
Wirtschaftlicher wäre es, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Menschen in Afrika ihre Heimat nicht verlassen würden. Afrikanische Länder bräuchten Unterstützung, um in ihre eigenen Bildungs- und Gesundheitssysteme zu investieren. Als Beispiel nannte er das Modell eines bedingungslosen Grundeinkommens in Namibia, das dort in dem kleinen Dorf Otjivero in kurzer Zeit zu bemerkenswerten Erfolgen geführt hat.
Auch Präses Alfred Buß kritisierte den menschenunwürdigen Umgang mit Flüchtlingen: "Ein Schiff mit chinesischen Bohnen ist besser geschützt als ein Boot mit Flüchtlingen aus Afrika", sagte der leitende Theologe der westfälischen Kirche, der auch Vorsitzender der Kommission für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.
Er rief dazu auf, wenigstens die Flüchtlinge in westlichen Ländern aufzunehmen, die durch vom Westen verursachte Krisen zur Flucht genötigt seien. Beispiel: Aus dem Irak sind zwei Millionen Menschen nach Syrien und Jordanien geflohen - 2.500 davon können nach Europa kommen. Außerdem seien die armen Länder vom Klimawandel, den hauptsächlich die reichen verschulden, besonders betroffen.
Der Europaabgeordnete und Attac-Mitbegründer Sven Giegold wies darauf hin, dass europäische Agrarprodukte, aus Steuergeldern subventioniert, die Märkte in Afrika zerstören. Wachstum sei kein politisches Ziel an sich - sinnvolles Wachstum hänge von der Technologieentwicklung ab. "Wenn wir in sinnvollen Bereichen Wachstum wollen, müssen wir auch sagen, was schrumpfen soll. Wenn wir ökologisch verträgliche Verkehrsmittel wollen, müssen wir uns von den Spritfressern trennen. Wenn erneuerbare Energien wachsen sollen, müssen Kohle und Kernkraft schrumpfen."
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche von Westfalen
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