Finanzierung der Krankenversicherung Jetzt Regeln!

17.05.2004 | Köln
"Angesichts der verfehlten Einsparziele der Gesundheitsreform steuert die Gesundheitspolitik auf eine Finanzierungsdebatte zu. Wir begrüßen, dass diese Debatte jetzt an Fahrt gewinnt", erklärt der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Maximilian Zollner, im Vorfeld des 107. Deutschen Ärztetages in Bremen.

Er verweist darauf, dass nur die Finanzierung auf Grundlage von sozial abgefederten Kopfpauschalen das System nachhaltig und konjunkturunabhängig stabilisieren könne.

Die Politik müsse endlich erkennen, dass die Kostendämpfung des GKV-Modernisierungsgesetzes ihre Grenzen erreicht habe. "Inzwischen sprechen selbst die Krankenkassen davon, dass die Beiträge im nächsten Jahr vermutlich steigen werden. Von den in Aussicht gestellten 13,6 Prozent durchschnittlichem Beitragssatz spricht inzwischen keiner mehr, nicht einmal die Bundesgesundheitsministerin", bemerkt Dr. Zollner.

"Jetzt muss auch dem Letzten klar werden: Das Gesundheitswesen krankt nicht an den Ausgaben, sondern auf der Einnahmenseite", betont Dr. Zollner. Die Arbeitslosigkeit stagniere auf hohem Niveau, zeitgleich sinke die Zahl der Beschäftigten, also die Zahl derer, die die Gesetzliche Krankenversicherung vorwiegend finanzieren. Dies werde durch das weiter sinkende Beitragsaufkommen der Krankenkassen belegt.

"Die Einführung einer "Bürgerversicherung" nach Art der Grünen und der SPD führt ins Nichts. Hinter diesem Trugbild verbirgt sich eine Einheitskasse, die mit dem gleichen Problem konfrontiert ist, wie das heutige System: die Kopplung der Beiträge an das Einkommen und damit an die Konjunktur", betont der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands. Die Antwort auf künftige Wirtschaftskrisen, so Dr. Zollner, werden Leistungskürzungen und staatsmedizinische Reglementierungen sein. Die durch Einbeziehung weiterer Personengruppen und Einkommensarten versprochenen Beitragssatzsenkungen würden angesichts der Konjunkturflaute binnen kurzer Zeit verpuffen. Gänzlich unberücksichtigt hätten die Befürworter in dieser Diskussion die verfassungsrechtlichen Fragen, wie etwa eine Zwangs-Bürgerversicherung für bislang privat Krankenversicherte und deren angesammelte Altersrückstellungen. "Das Bundesverfassungsgericht wird die Bürgerversicherung den Politikern um die Ohren hauen", prophezeit Dr. Zollner.

Das System der Kopfpauschalen dagegen sei auch eine solidarische Alternative, da innerhalb dieses Systems die "Solidarität durch Inanspruchnahme" gewährleistet ist, also durch den Umstand, dass Ältere und Kranke, die das System stärker in Anspruch nehmen, den gleichen Beitrag zahlen wie Junge und Gesunde, die das System nicht oder nur wenig nutzen. Der soziale Ausgleich muss zudem transparent sein und außerhalb des Gesundheitssystems, also über den Bereich der Steuern, erfolgen.

Quelle: Pressemeldung NAV-Virchow-Bund

Dieser Beitrag wurde bisher 54 mal gelesen.
(Rang 864 auf landtagswahlen24.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

Betreuungsausbau statt Betreuungsgeld!

25.04.2012 | Anlässlich der von der Koalition geplanten Verrechnung des Betreuungsgeldes mit SGB II-Leistungen erklärt...

weiter in Betreuungsausbau statt ...

Netzentgelte: Regierung schröpft Verbraucher

21.11.2011 | vzbv fordert eine angemessene Beteiligung der Wirtschaft an den Kosten der Energiewende

weiter in Netzentgelte: Regierung schröpft ...

Lammert und Voßkuhle diskutieren über "Verfassungsgericht und Gesetzgeber"

10.11.2011 | Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "W-Forum" diskutieren Bundestagspräsident Norbert Lammert und der Präsident...

weiter in Lammert und Voßkuhle diskutieren ...

BDI steht auf Seiten der Klinikärzte Solidarität mit Streikenden an Univ.-Kliniken

01.11.2011 | In einer Urabstimmung über einen Streik an den Univ.-Klinken haben 97,4 Prozent der teilnehmenden Ärzte für...

weiter in BDI steht auf Seiten der ...



Aktuelles

Betreuungsausbau statt Betreuungsgeld!

Anlässlich der von der Koalition geplanten Verrechnung des...

weiter ...

Netzentgelte: Regierung schröpft Verbraucher

vzbv fordert eine angemessene Beteiligung der Wirtschaft an...

weiter ...

Neuigkeiten

Neue Energie für Bayern - WSB Unternehmensgruppe eröffnet Büro in Oberfranken

Die WSB Unternehmensgruppe weitet ihr Engagement für die...

weiter ...

Schießt nicht auf Unschuldige!

Bischof auf Ägypten verurteilt die Gewalt gegenüber...

weiter ...

Weitere Themen

Pixelpark sagt Nihao zum Kölner Chinajahr

www.chinajahr-koeln.de im Responsive Design

weiter ...

Kirchliche Hilfswerke fordern politische Lösung für Somalia

Aus Anlass der Eskalation der Kriegshandlungen in Somalia...

weiter ...

Archiv

Geschäftsgeschenke - eine gute Idee?

In vielen Betrieben gehören Geschäftsgeschenke längst zum...

weiter ...