Hoppe: Diskussion über Priorisierung unvermeidlich

22.02.2010 | Berlin
Angesichts steigender Leistungsinanspruchnahme im Gesundheitswesen bei begrenzten finanziellen Mitteln wird die Politik nach Meinung von Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe nicht an einer Diskussion über Priorisierung vorbeikommen.

"Dass Bundesgesundheitsminister Rösler jetzt nicht unbedingt sofort mit Priorisierung aufwarten will, das kann man ja verstehen", sagte der Ärztechef in einem Interview mit der "FAZ am Sonntag" (21.02.2010). "Aber dass die Diskussion unethisch ist, wie er behauptet, das werden wir schnell widerlegen." In der Wissenschaft werde die Diskussion über Priorisierung und Rationierung schon seit Jahren geführt. Durch die demografische Entwicklung würden die Kosten für Gesundheit höher sein, "als wir gegenwärtig dafür zu zahlen bereit sind".

"Langfristig müssen wir auf etwa acht Prozent des Bruttoinlandprodukts, also etwa 18 Milliarden Euro mehr, kommen, um unser derzeitiges Niveau der Gesundheitsversorgung zukünftig sichern zu können", sagte Hoppe der "Rheinischen Post" (22.02.2010). Wenn sich an der derzeitigen Finanzierung des Systems nichts ändere, werde es zu Leistungseinschränkungen kommen. "Zurzeit leiden wir ja schon unter einer sogenannten heimlichen Rationierung medizinischer Leistungen. Die Ärzte müssen doch im Augenblick ihren Patienten vermitteln, dass sie bestimmte Leistungen nicht mehr erbringen können. Diese barmherzige Lüge wird zu einer großen Belastung des Arzt-Patienten-Verhältnisses. Das wollen wir nicht mehr, und das wollen auch die Patienten nicht", sagte Hoppe.

Quelle: Pressemeldung Bundesärztekammer

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