Pestizid-Belastung: Neue Bewertungsgrundlagen überfällig

27.01.2010 | Berlin
Zur Debatte über den aktuellen Bericht zur Pestizidrückstandsbelastung von Lebensmitteln im Bundestagsausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erklärt Ulrike Höfken, Sprecherin für Ernährungspolitik:

Es ist erfreulich, dass die Daten eine Verringerung der Pestizidbelastung zeigen, auch wenn sie leider nur begrenzt aussagefähig sind. Mehr als die Hälfte der Proben war dennoch mit Pestiziden belastet. Zudem werden durchschnittlich je Probe nur 235 von über 1350 weltweit bekannten Wirkstoffen analysiert. Einzelne Proben waren erheblich über den zulässigen Grenzwerten belastet, wie italienischer Brokkoli (33,3 Prozent) und türkische Trauben (26,9 Prozent). Es ist verantwortungslos, wenn Frau Happach-Kasan (FDP) eine Reduzierung des analysierten Wirkstoffspektrums fordert, statt es im Sinne des Verbraucherschutzes auszuweiten.

Erfreulich ist: Bioware hat sehr gut abgeschnitten. Die Senkung der Pestizidbelastung ist nicht der Politik, sondern den schärferen Vorgaben des Handels und dem Boom bei Öko-Lebensmitteln zu verdanken.

Ungelöst bleibt das Problem, das bisher nur die Belastung mit einzelnen Substanzen erfasst wird. Insbesondere im Obstanbau werden aber viele Pestizide gleichzeitig eingesetzt, die sich in ihrer Wirkung verstärken können. Mehr als ein Drittel der getesteten Lebensmittel war mit mehreren Pestiziden belastet; in Tafeltrauben fanden sich bis zu 26 verschiedene Rückstände. Außer der Ankündigung einer Task Force mit unklaren Kompetenzen bleibt die Bundesregierung hier untätig.

Wir fordern einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Pestizidrückständen. Überfällig sind, Mehrfachbelastungen zu bewerten, zügig Summenhöchstwerte für Pestizide festzulegen und Methoden zu entwickeln, mit denen toxikologische Wechselwirkungen zwischen den Substanzen analysiert werden können. Wirksame Maßnahmen gegen den Missbrauch von Pestiziden, Forschung für die Neu-Entwicklung umweltverträglicher Pflanzenschutzmethoden und -produkte und eine bessere Förderung des Ökolandbaus sind nötig. Immer mehr Menschen leiden unter den Giften in Lebensmitteln und Umwelt und reagieren mit gesundheitlichen Problemen.

Konkret fordern wir ein neues nationales Aktionsprogramm zur Pestizidreduktion mit klaren Reduktionszielen und -schritten, um mittelfristig die Belastung mit Pestiziden deutlich zu senken.

Quelle: Pressemeldung Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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