"Politikern fehlt der Mut zur Nachbesserung"

27.02.2004 | Dortmund
In der Abschaffung der Härtefallregelung sieht Thomas Isenberg, Leiter des Fachbereichs Gesundheit beim Bundesverband der Verbraucherzentralen eine der gravierendsten Fehlentscheidungen der neuen Gesundheitsreform.

In einem Live-Chat auf dem Verbraucherforum www.krankenkasse.de kritisierte Isenberg den mangelnden Mut der Politiker, Fehler bei der Reform einzugestehen und bezog sich dabei vor allem auf die Situation von Heimbewohnern. "Die Politik traut sich nicht nachzubessern, obwohl viele Teile der Reform ohne Bundesratsmehrheit neu strukturiert werden könnten", so Isenberg.

Neben der Kritik an einzelnen Reformteilen begrüßte Isenberg jedoch die neuen Freiräume, die sich für Kassen und Patienten eröffneten. "Ich persönlich hätte gerne eine Liste besonders qualifizierter Ärzte. Ich wäre dann auch bereit mich an die Auswahl zu binden". Doch bis heute gäbe es weder Vorstellungen, wie eine solche Qualifikation auszusehen habe, noch wie die Einhaltung von Mindestkriterien kassenübergreifend gewährleistet werden solle.

Bis dahin sehe er als Verbraucherschützer vor allem die Gefahr eines missbräuchlichen Wettbewerbs unter den gesetzlichen Krankenkassen. Die Möglichkeit der Zusatzversicherungen oder die Vielzahl der Bonusmodelle verunsicherten den Verbraucher und dienten allenfalls zur Kundenbindung. "Im Moment gibt es bei den Bonusmodellen viel überflüssigen Schnickschnack. Sollten hier zu viele Marketingprogramme um sich greifen, muss sicherlich nachgebessert werden". Der Dschungel im Krankenkassenmarkt werde dichter und der Verbraucher habe es zunehmend schwerer, seine Marktmacht zu entfalten. Isenberg plädierte an die Verantwortlichen der Politik und der Spitzenverbände, dem Versicherten unabhängige Informationsquellen, wie z.B. Datenbanken im Internet, zur Verfügung zu stellen. Das Recht auf freie Wahl der Krankenkasse sei schließlich ein fundamentales Verbraucherrecht. "In Zeiten, in denen viele Menschen auf jeden Cent achten müssen, kann keiner erwarten, dass die Verbraucher nicht auch auf den Beitragssatz achten".

Die Versicherten hätten viel an neuen Zuzahlungen hinnehmen müssen, doch die versprochene Senkung der Beitragssätze sei ausgeblieben. Isenberg bezweifelte, dass die in 2005 anstehende alleinige Finanzierung des Zahnersatzes und die für 2006 geplante Ausgliederung des Krankengeldes die Wirtschaft ankurbeln werde und neue Jobs geschaffen würden. Er mahnte deshalb eine schnelle Reform der Finanzierungsgrundlage der GKV an und sprach sich abschließend eindeutig für die Bürgerversicherung aus.

Quelle: Pressemeldung BundesInnungskrankenkasse Gesundheit, kurz: BIG direkt gesund

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