Renaissance der sozialen Marktwirtschaft?

22.08.2009 | Bielefeld
Tagung der westfälischen Kirche: Politiker und Theologe fordern stärkere Kontrolle von Banken und Finanzwirtschaft

Eine "Renaissance der sozialen Marktwirtschaft" ist nach Überzeugung des Europaabgeordneten Elmar Brok nötig und möglich. Sie müsse in Freiheit aus christlicher Verantwortung gestaltet werden, sagte Brok auf der Politikertagung der Evangelischen Kirche von Westfalen in Schwerte.

"Der Markt produziert nicht von sich aus soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz." Der Klimawandel würde nach Angaben von Brok allein in Deutschland Schäden von über 100 Milliarden Euro verursachen, wenn es nicht gelinge, ihn einzudämmen. Ein sich selbst überlassener Markt zerstört sich nach Überzeugung des CDU-Politikers selbst. Wirklicher, fruchtbarer Wettbewerb könne sich nur entwickeln, wenn Fusionen politisch kontrolliert werden.

Voraussetzung dafür sei ein international verbindlicher Ordnungsrahmen. Der europäische Binnenmarkt mit seiner staatenübergreifenden Regulierung sei deshalb weltweit ein Modell für die Bewältigung der Wirtschaftskrise. Dazu gehört nach Broks Worten eine gemeinsame Kontrolle der Finanzwirtschaft: "Es kann nicht sein, dass 28-jährige Rating-Analysten in der City of London ungeprüft und ohne Kontrolle entscheiden, welcher Arbeitsplatz in Schwerte wertvoll ist", sagte er.

Freiheit nicht ohne Verantwortung

Christliche Freiheit ist auch für Dr. Christoph Stückelberger die Voraussetzung, um der Krise Herr zu werden. Christen seien "befreit, das Gute zu tun zum Wohl der Gemeinschaft", erklärte der Theologe von der Organisation Globethics.net in Genf. "Freiheit ist nicht ohne Verantwortung und ohne Gerechtigkeit denkbar - und umgekehrt." Die Welthandelsorganisation WTO habe die Gerechtigkeit bisher "nur ungenügend" umgesetzt.

Auch Stückelberger plädierte für "starke, faire Regeln", nach denen der Markt funktionieren müsse. Ethik müsse in der Wirtschaft verpflichtendes Ausbildungsfach werden. Ohne geistliche Wurzel sei die Ethik jedoch "hohl" und könne nicht langfristig tragen. Nur durch spirituelle Schulung von klein auf könne ethisches Verhalten in der Persönlichkeit verankert werden. Deshalb müsse der schulische Ethikunterricht stärker mit dem Religionsunterricht verbunden werden

Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche von Westfalen

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