Riester-Rente droht bürokratischer Kollaps

11.03.2003 | Köln
Der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ("Riester-Rente") droht der bürokratische Kollaps. Der Vorstandsvorsitzende des AMB Generali Gruppe, Dr. Walter Thießen (52), sagte am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz des drittgrößten deutschen Erstversicherers: "Die meisten Kunden sind aufgrund des komplizierten Verfahrens und der Fragestellungen nicht in der Lage, die notwendigen Förderanträge korrekt auszufüllen.

Dieses bürokratische Verfahren ist extrem kundenfeindlich." Die AMB Generali Gruppe hat bisher über 580 000 Riester-Policen verkauft und gehört mit einem Marktanteil von knapp 20 % zu den Spitzenanbietern der gesamten Branche. Die Lebensversicherer der AMB Generali Gruppe hätten den Kunden inzwischen die gesetzlichen Förderunterlagen mit einer mehrseitigen kundenorientierten Anleitung für das Ausfüllen der Formulare zugeleitet. Der Rücklauf sei deprimierend, sagte Dr. Thießen: "Mindestens 70 % der verschickten Anträge sind falsch ausgefüllt. Die Leute sind schlichtweg überfordert." Wenn hier nicht durch die Politik schnell Korrekturen erfolgten, drohe die Riester-Rente durch bürokratische Hemmnisse an mangelnder Akzeptanz zu scheitern. Außerdem komme auf die Unternehmen mit ihren Vertrieben ein zusätzlicher enormer Beratungsaufwand zu, denn korrekt ausgefüllte Anträge seien die Voraussetzung für die Genehmigung der staatlichen Förderzulage durch die entsprechende Behörde des Bundes.

Dr. Thießen: "Wir verstehen uns als Partner der Politik. Es geht um Vereinfachungen, nicht um die Abschaffung der Riester-Rente, denn die kapitalgedeckte Altersvorsorge war und ist die richtige Entscheidung." Die Versicherungsbranche fordere deshalb "weniger Bürokratie und zudem bedarfsgerechte Produkte". So sollte es nur einen Förderweg geben. Die jetzige Regelung, die Zulage entweder per Antrag von der "Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen" oder über die Steuererklärung vom Finanzamt zu bekommen, sei viel zu kompliziert. Außerdem sollte es eine gleiche Förderung für private und für betriebliche Altersvorsorge geben. Sinnvoll wäre darüber hinaus, die Riester-Förderung von der Wohnungsförderung zu entkoppeln.

Dr. Thießen: "Wenn hier die Bürokratie auf das Minimum reduziert wird, dann kann die Riester-Rente zu einem entscheidenden Instrument der privaten Altersvorsorge werden. Die grundlegende Richtung stimmt, aber die Details müssen verändert werden."

Quelle: Pressemeldung Generali Deutschland Holding AG

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