Rücknahme der Rostocker Beschlüsse - Ein politisches Desaster für die Ärztekammern

21.05.2007 | Köln
Die Selbstverwaltung der Ärzteschaft ist ihrer gesellschaftspolitischen Aufgabe nicht gerecht geworden, den einheitlichen Hausarzt - den Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin - zu stärken und zu bestätigen.

Das war auch nicht das Interesse der Bundesärztekammer und des Ärztetages. Den Hausärzten wurde einmal mehr verdeutlicht, dass ihre berechtigten Anliegen in der bestehenden Form der ärztlichen Selbstverwaltung nicht berücksichtigt werden. Sie werden mit einer Alibi-Funktion abgespeist.

Die jetzt verabschiedete "Rolle Rückwärts" gefährdet die flächendeckende hausärztliche Versorgung in Deutschland. Der Deutsche Hausärzteverband und die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hatten bereits im Vorfeld des Ärztetages in Münster einheitlich gegen eine Rücknahme der Rostocker Beschlüsse protestiert. Die europarechtlichen Argumente, welche die Bundesärztekammer anführte, erwiesen sich als vorgeschoben und haltlos.

Dennoch hat sich der Berufsverband der Internisten erneut gegen den in Rostock getroffenen Kompromiss gestellt und die damals errungene Einigkeit zum Scheitern gebracht. Eine Koalition von Gebietsärzten, Chefärzten und Marburger Bund stimmte die hausärztlichen Vertreter kompromisslos nieder.

Die Zukunft der hausärztlichen Versorgung und unseres hausärztlichen Nachwuchses wurde den Interessen des Internistenverbandes und handfesten ökonomischen Interessen der internistischen Klinikabteilungen und der Krankenhausträger untergeordnet. Junge Mediziner in der Weiterbildung werden durch diesen Beschluss verunsichert und um eine eindeutige tragfähige Zukunftsperspektive gebracht. Der Weg, wieder zweierlei Hausärzte in der Versorgung zu etablieren, ist geöffnet worden. Damit sind wir wieder vor Rostock.

Die einseitige und schwache Politik der Bundesärztekammer und fünf ihrer Länderkammern im Bereich der hausärztlichen Weiterbildung erlebte in Münster einen traurigen Höhepunkt und wird sich fortsetzen.

Der Deutsche Hausärzteverband und die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) lehnen diesen Schritt in die falsche Richtung weiterhin ab und werden die Konsequenzen daraus ziehen. Die hausärztliche Weiterbildung gehört endgültig nicht mehr in die Hand der Ärztekammern und der ärztlichen Selbstverwaltung! Das ist das politische Ergebnis des Ärztetages in Münster.

Quelle: Pressemeldung Deutscher Hausärzteverband e.V.

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