Sachsen-Anhalt zeigt sich in der Krise robuster als Deutschland NORD/LB erwartet BIP-Rückgang von 4,9 Prozent

22.07.2009 | Hannover/Braunschweig
Die NORD/LB Landesbank für Sachsen-Anhalt rechnet für das Gesamtjahr 2009 mit einem Rückgang des sachsen-anhaltischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,9 Prozent. Damit wird das Bundesland von der Wirtschaftskrise voraussichtlich weniger stark betroffen sein als Deutschland allgemein: Die Volkswirte der NORD/LB prognostizieren, dass das BIP bundesweit um 6,0 Prozent in diesem Jahr sinken wird.

"Die Industriebetriebe in Sachsen-Anhalt sind weniger stark mit den schwachen Auslandsmärkten verbunden als die Unternehmen im Westen", begründete Dr. Arno Brandt die geringere Betroffenheit des Landes. In Magdeburg wies der Leiter der NORD/LB Regionalwirtschaft am Mittwoch zudem darauf hin, dass die Branchen Kraftfahrzeugbau und Maschinenbau, die die Krise besonders spüren, in Sachsen-Anhalt unterrepräsentiert seien. Dagegen sei das im Land besonders stark vertretene Ernährungsgewerbe weniger konjunkturabhängig. Auch die stagnierenden Lohnstückkosten wirken sich für den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt positiv aus, so Brandt.

Dass das BIP in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr dennoch deutlich schrumpft, hängt mit einem massiven Produktionseinbruch im Verarbeitenden Gewerbe zusammen: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres sind die Umsätze der Branche um 20,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Kurzfristig werde sich diese Entwicklung auch nicht umkehren, erklärte Brandt: "Der Einbruch beim Export in Westdeutschland wird die ostdeutschen Produzenten von Vorleistungsgütern mehr und mehr erreichen. Die Produktionsverflechtungen zwischen Ost und West sind sehr eng." Im Gegensatz zur aktuell geringen Inlandsnachfrage nehmen die ausländischen Bestellungen seit Februar dieses Jahres aber kontinuierlich zu. Vor allem die Auftragsbücher von Verbrauchsgüterproduzenten füllen sich seit Februar wieder sukzessive.

2010 geht es wieder aufwärts

Recht positiv entwickelt sich auch die Bauwirtschaft in Sachsen-Anhalt. Nach Umsatzeinbrüchen zu Beginn des Jahres hat die Branche in den vergangenen Monaten Umsatzsteigerungen verzeichnet. "Die Konjunkturpakete zeigen Wirkung", betont Brandt. "Mit der zunehmenden Auftragsvergabe der öffentlichen Hand stabilisiert sich die Stimmung am Bau." Da die Konjunkturpakete bis weit in das nächste Jahr hineinwirken werden, erwartet der NORD/LB Experte auch für 2010 eine weitere Zunahme der Bruttowertschöpfung im Baugewerbe. Eine leichte Erholung zeichnet sich darüber hinaus für die Industrie Sachsen-Anhalts ab. Allerdings wird die Arbeitslosigkeit von derzeit 13,6 Prozent voraussichtlich noch etwas ansteigen und den privaten Konsum weiter belasten. Daher rechnet Brandt für das Jahr 2010 nur mit einem sehr verhaltenen Anstieg der wirtschaftlichen Leistung in Sachsen-Anhalt: "Wir gehen beim BIP von einer schwarzen Null aus." Für Deutschland prognostiziert die NORD/LB ein BIP-Wachstum von 0,6 Prozent im kommenden Jahr.

Quelle: Pressemeldung NORD/LB Norddeutsche Landesbank Girozentrale

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