Schwan im Aufwind

27.02.2009 | Frankfurt a. M.
Kandidatin für das Bundespräsidentenamt in hr1

"Dieses Mal habe ich die Chance zu gewinnen", sagte Gesine Schwan (SPD), die am 23. Mai Nachfolgerin von Bundespräsident Horst Köhler werden möchte, dem Radiosender hr1. Was den Eindruck mangelnder Unterstützung durch ihre Partei angeht, erklärte sie: "Das mit der SPD hat sich, glaube ich, gut zurechtgeruckelt. Die Parteizentrale ist jetzt, denke ich, auf dem klaren strategischen Kurs, mich aktiv zu unterstützen." Dazu trügen vielleicht auch Umfragen bei, nach denen fast zwei Drittel der Bevölkerung ihre Kandidatur gut fänden und nicht wollten, dass sie zurückziehe. Das vollständige Interview mit Gesine Schwan wird in der Sendung "hr1-Talk" am Sonntag, 1. März, zwischen 10 und 12 Uhr vom Hessischen Rundfunk ausgestrahlt.

Für die 65-jährige Politikprofessorin, die bei der Präsidentenwahl 2004 Horst Köhler unterlegen war, ist Politik das aktive Sich-Kümmern um die gemeinsamen Angelegenheiten, vor allem da, wo sie strittig sind. "Deshalb kann man auch in der Familie schon Politik betreiben, wenn man versucht, Konfliktlösungen zu finden. Auch in der Schule, in der Gemeinde und beim Sport kann man das tun, aber natürlich auch in einer Partei." Das Wichtigste sei, nach dem "gemeinsamen Gut für alle" zu suchen: "Wo verbindet uns etwas, und wie können wir eine Lösung finden, die für alle wenigstens erträglich ist, wenn auch nicht immer für alle gleich gut?", so Gesine Schwan in "hr1-Talk".

In einer Krise wie der gegenwärtigen müsse die erste Person im Staat "aufklären, wie es dazu gekommen ist, versuchen zu erläutern, welche Alternativen es gibt, und um Verständnis werben für die unvermeidbare Unsicherheit politischer Entscheidungen in einer solchen Situation". Die Gesellschaft müsse die Verantwortung für die politischen Entscheidungen mittragen. Das erfordere aber gegenseitiges Vertrauen.

Ein Leben ohne Herausforderungen kann sich die Mutter zweier erwachsener Kinder nicht vorstellen. "Ein Leben, in dem ich nicht auch an die Grenzen meiner Fähigkeiten gehen könnte, würde mir wahrscheinlich nicht so gut gefallen". Vor Konflikten und Herausforderungen die Augen zu verschließen und sich nicht darum zu kümmern, "das konnte ich nie, und das wollte ich auch nicht", sagt Gesine Schwan, deren erster Mann, der Politikprofessor Alexander Schwan, an Krebs starb. Jetzt ist sie mit Peter Eigen verheiratet, der bei der Weltbank gearbeitet und sich international gegen Korruption eingesetzt hat.

Gesine Schwan stammt aus einer politisch sehr engagierten Familie. Ihre Eltern hatten im letzten Kriegsjahr ein jüdisches Mädchen versteckt. Der Nationalsozialismus sei in ihrer Familie immer sehr gegenwärtig gewesen als das Furchtbare, das nie wieder vorkommen dürfe. Ihre Eltern hätten selbstverständlich erwartet, dass sie und ihr älterer Bruder sich dafür einsetzten: "Das war das Leitmotiv".

Quelle: Pressemeldung Hessischer Rundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts

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