"Situation der Christen ist eine Tragödie"

27.03.2009 | München
Erzbischof Louis Sako über die aktuelle Lage in seiner irakischen Heimat

Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, hat vor einer Auslöschung des Christentums im Irak gewarnt. Die Christen im Irak hätten in den vergangenen fünf Jahren stark gelitten, erklärte Sako bei einem Pressegespräch von KIRCHE IN NOT in Wien.

Insgesamt seien in diesem Zeitraum 750 Christen getötet worden, unter ihnen auch der Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho. "200 000 Christen haben das Land verlassen. Das ist eine Tragödie für uns", sagte Erzbischof Sako. Er bat um Unterstützung für die Christen, damit diese im Irak bleiben oder zurückkehren können.

Erzbischof Sako rief dazu auf, Solidarität mit den Christen im Irak zu zeigen und den Flüchtlingen und den im Irak verbliebenen Christen zu helfen. Die Auswanderung der Christen, von denen nun viele in Syrien, Jordanien, dem Libanon und der Türkei leben, sei eine "große Herausforderung für die Kirche".

Zahlreiche Familien seien auch in nordirakische Kleinstädte geflüchtet, in denen es kaum Arbeit gebe. Sako dankte KIRCHE IN NOT und anderen Organisationen, die dort mit Hilfsprojekten aktiv sind. Dieses Engagement helfe, dass die Christen trotz ihrer schwierigen Situation im Land blieben.

Gleichzeitig forderte der Erzbischof einen größeren politischen Druck auf den Irak. Es sei "eine Schande", dass die Menschenrechte der Christen im Irak nicht geachtet werden, kritisierte Sako. Auch die Christen seien schließlich Bürger des Irak.

Der Erzbischof erinnerte, dass die Christen seit 2000 Jahren im Irak leben. Mit ihrer Vertreibung würde auch ein Teil der Kultur und Geschichte des Irak verlorengehen.

"Wir wollen mit den Muslimen in Frieden leben"

Noch hätten die Christen aber nicht alle Hoffnung verloren: "Wir haben viele Probleme, aber wir haben auch viel Hoffnung. Wir haben keine Angst, aber wir möchten zusammen mit den Muslimen im Irak in Frieden leben." Sako zeigte sich überzeugt, dass ein Dialog mit den Muslimen möglich sei, "nicht theologisch, aber als "Dialog des Lebens"".

Wichtig sei auch, dass sich die Muslime aus ihrer Religion heraus mit der neuen Vorstellung einer "verantwortlichen Freiheit" des Menschen auseinandersetzen. Die Muslime sollten den Koran für die heutige Zeit auslegen, meinte der chaldäisch-katholische Erzbischof: "Die Muslime leben wie im 7. Jahrhundert, und das ist ein Problem."

Problematisch sei vor allem, dass viele Iraker die US-Truppen - von denen die Bevölkerung meint, sie seien zur Bekämpfung des Islams in das Land gekommen - mit den Christen gleichsetzen. Die Christen seien besorgt wegen des angekündigten Abzugs der US-Truppen, erklärte der Erzbischof von Kirkuk.

Schon jetzt sei nämlich die fehlende Sicherheit im Land das größte Problem. Die irakische Armee und Polizei wären noch nicht stark genug. Sako: "Unter Saddams Regime hatten wir Sicherheit, aber keine Freiheit. Heute haben wir Freiheit, aber das Problem ist die Sicherheit."

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich für die Aufnahme von 2500 irakischen Flüchtlingen bereit erklärt. Die ersten 122, zumeist Christen, sind am 20. März in Hannover angekommen. Sie wurden zunächst ins Durchgangslager Friedland bei Göttingen gebracht. In den nächsten Wochen werden sie auf die Bundesländer verteilt.

Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.

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