Sozialerhebung: Studienplatz-Notstand beheben, Studienfinanzierung stärken

23.04.2010 | Berlin
Zu den Ergebnissen der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes erklärt Kai Gehring, Sprecher für Hochschulpolitik:

Von Chancengerechtigkeit bei der Bildungsbeteiligung sind wir beschämend weit entfernt. Mit ihrem Selbstlob kann die Bundesregierung nicht vernebeln, dass die Studierneigung in Deutschland viel zu gering und die soziale Auslese beim Hochschulzugang dramatisch hoch ist. Es ist skandalös, dass der Bildungsstand der Eltern weiter die wichtigste Rolle für den Bildungsaufstieg ihrer Kinder spielt. Studierende aus bildungsfernen Elternhäusern bleiben eine Seltenheit auf dem Campus. Gleichzeitig finden auch immer weniger Akademikerkinder den Weg an die Hochschulen. Das sind fatale Entwicklungen, da wir mehr Studierende aus allen Bevölkerungsschichten brauchen.

Studienplatzmangel, Bologna-Misere, Studiengebühren und Finanzierungssorgen bringen immer mehr junge Talente um ihren Hochschulzugang. Nun rächt sich, dass Schwarz-Gelb lieber vermeintlich hohe Studienanfängerzahlen feiert anstatt mit einem ausfinanzierten Hochschulpakt entschieden gegen Studienplatz-Notstand vorzugehen.

Wenn Schavan die Sozialerhebung ernst nimmt, muss sie die magere BAföG-Novelle überarbeiten und ihr elitäres Stipendienprogramm einmotten. Eine wirklich zeitgemäße Studienfinanzierung besteht aus einem elternunabhängigen Sockel für alle und einem Bedarfszuschuss für Studierende aus einkommensschwachen Elternhäusern. Anders als Schavans Elite-Stipendien setzt unser Zwei-Säulen-Modell einen starken Anreiz für alle Gruppen, tatsächlich ein Studium aufzunehmen.

Angesichts doppelter Abiturjahrgänge müssen Bund und Länder endlich eine echte Studienplatz-Ausbauoffensive auf den Weg bringen. Nach ihrem stressigen G8-Turbo-Abi dürfen die vielen Studienberechtigten nicht vor verschlossenen Hörsaaltüren stehen. Zudem muss der Chancenkiller Studiengebühren abgeschafft, das Zulassungschaos behoben und die Studienbedingungen für alle spürbar verbessert werden.

Quelle: Pressemeldung Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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