Verkehrspolitische Sackgasse Stuttgart 21
ROBIN WOOD-AktivistInnen protestierten heute Vormittag mit einer Aufsehen erregenden Kletteraktion am Stuttgarter Rathaus gegen das milliardenschwere Bauprojekt Stuttgart 21 (kurz S21). Die KletterInnen seilten sich aus dem vierten Stock vom Balkon des Rathauses direkt vor dem großen Plenarsaal ab und entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Es stimmt aber auch, dass Stuttgart 21 den Regional- und Güterverkehr massiv behindert." Die Aufschrift des zehn mal sechs Meter großen Banners orientiert sich an der aktuellen Werbekampagne für Stuttgart 21 ("Die guten Argumente überwiegen"), welche vorgaukelt, die Gegenargumente zu widerlegen und gute Argumente für S21 zu liefern. Doch Dialog sieht anders aus, als die Stadt mit einer unter Werbefachleuten verschrienen millionenteuren Plakatkampagne zuzukleben, um den breiten Protest zu übertönen.
Die AktivistInnen kritisieren, dass das Prestigeprojekt Stuttgart 21, neben den Milliarden-Kosten und vielen anderen ökologischen und sozialen Folgen, den Regional- und Güterverkehr in der Region massiv beeinträchtigen wird. Die Steuermilliarden, die in Mega-Projekte wie S21 gesteckt werden, fehlen für den Ausbau eines klima- und kundenfreundlichen Regionalverkehrs. Dies zeugt einmal mehr von der aktuellen Bahnpolitik: Statt großer Flächen-Abdeckung wird auf Prestige, Gigantismus und Hochgeschwindigkeitsstrecken gesetzt. Mittlerweile werden die Kosten von Fachleuten in einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA - Schienennetz 2025/2030) schon auf bis zu 11 Milliarden Euro geschätzt, während weiterhin viele Bahnhöfe und Strecken abseits der Großstädte geschlossen werden. Auch wichtige Fern- und Güterstrecken, die dringend eines Ausbaus bedürfen, wie beispielsweise die Rheintalbahn, leiden unter den explodierenden Kosten für S21.
Für den Güterverkehr, der jetzt schon Probleme auf den steilen Strecken in der Stuttgarter Umgebung, insbesondere auf den Strecken über die Schwäbische Alb nach Ulm hat, wird Stuttgart 21 der Todesstoß. Die behäbigen Güterzüge werden die noch steigungsintensivere Neubaustrecke Stuttgart-Ulm nicht mehr befahren können und die Region weiträumig meiden. Für ein ökologisches und klimafreundliches Verkehrskonzept ist die Verlagerung von Warentransporten von der Straße auf die Schiene und somit der Schienen-Güterverkehr jedoch unersetzbar.
Der Stuttgarter Kopfbahnhof ist durch sein durchdachtes Gleiskonzept und seine gute Taktung einer der leistungsstärksten Bahnhöfe Europas und wird auch in absehbarer Zukunft seine Kapazitätsgrenzen nicht erreichen. Stuttgart 21 dagegen sieht beispielsweise vor, die Anzahl der Gleise von aktuell 16 auf acht zu reduzieren. "Niemand kann ernsthaft behaupten, dass dieses Milliardengrab eine Verbesserung für den Verkehr und die Region darstellt oder gar sein Geld wert wäre", schließt Benjamin Maier, einer der Aktiven von ROBIN WOOD Stuttgart. Auch die aktuelle Studie des Umweltbundesamtes kommt zu dem Schluss, "S21 beseitigt kein Nadelöhr, sondern schafft neue[...]" und ist "verkehrlich hochgradig ineffektiv".
Abschließend bleibt festzustellen, dass Stuttgart 21 ein überteuertes, unökologisches und angesichts der fehlenden Bürgerbeteiligung und der wachsenden Proteste undemokratisches Städtebau-Projekt ist und dem Bahnverkehr weitaus mehr schadet als nutzt. ROBIN WOOD fordert deshalb einen sofortigen Baustopp für das Sinnlos-Projekt Stuttgart 21, die Re-Demokratisierung Stuttgarts und daraus folgend die Realisierung des erheblich kostengünstigeren, effizienteren und in jeder Hinsicht sinnvolleren Alternativ-Konzeptes Kopfbahnhof 21. Des Weiteren fordern wir bundesweit "Bahn für alle!", also eine preiswerte, ökologische Flächenbahn statt einzelnen Prestigeprojekten und sinnfreien Hochgeschwindigkeitsstrecken.
Quelle: Pressemeldung "ROBIN WOOD - Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.
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